Mach’s gut, Loriot

Ein Menschenleben ist endlich. Das steht nun mal im Kleingedruckten im Vertrag, jeder muss sich daran halten. Jeder muss akzeptieren, dass es irgendwann vorbei ist. Gerade ein intelligenter und klarsichtiger Mensch wie Loriot wird gewusst haben, dass man mit 87 Jahren ruhigen Gewissens von der großen Bühne abtreten darf. Vor zwei Tagen ist Deutschlands wohl größter Humorist aller Zeiten an Altersschwäche gestorben.

Das Gute ist, dass das künstlerische Werk von Loriot alias Vicco von Bülow überleben wird. Er hatte sich in den letzten Jahren ohnehin schon komplett aus der Fernsehlandschaft zurückgezogen, da er – Stichwort: Klarsinn – erkannt hatte, dass für ihn in der modernen Comedy-Unterhaltung kein Platz mehr ist. Heutzutage wird Wert auf brachiale, vorgekaute Kost gelegt. Wer Platitüden verbreitet und Klischees austritt, wird in großen Comedyshows der Privatsender gezeigt und hat fast automatisch Erfolg. Diese stumpfsinnige Unterhaltung, wie sie Mario Barth und ähnlich schlimme Zeitgenossen veranstalten, war nie im Sinne Loriots. Sein Humor war ein ganz anderer, ein in jedem Sinne besserer. Mögen Loriots größte Werke auch allesamt in den 1970er und 80er Jahren entstanden sein, so sind sie doch auch heute, in Zeiten von iPhone, Wi-Fi und Starbucks, immer noch zeitgemäß.

Das ist das Faszinierende an Loriots Kunst: Man kann auch heute noch genauso herzhaft über den Irrsinn zwischenmenschlicher Beziehungen und über die kleinen und großen Tücken des Alltags lachen wie noch damals. Immer wieder stoßen seine größten Sketche um zwei Männer in einer Badewanne, ein durch eine Nudel vermasseltes Rendezvous oder einen verwirrten Lottogewinner auf eine neue Generation enthusiastischer Fans. Viele Dialogzeilen wie “Sagen Sie jetzt nichts, Hildegard”, “Früher war mehr Lametta” oder “Die Ente bleibt draußen” wurden generationenübergreifend zu absolutem Kult. Ja, Loriot und sein Werk werden auch nach seinem friedlichen Tod genauso wichtig bleiben wie sie seit eh und je waren. Und immerhin ist er nun im Jenseits wieder mit seiner kongenialen Partnerin Evelyn Hamann vereint und kann die Bande da oben mal herrlich auf die Schippe nehmen.

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Nirvanas “Nevermind”: Der Teen Spirit wird 20 Jahre alt

Die meisten Leute erinnern sich noch daran, wie sie zum ersten Mal mit dem eigenen Führerschein Auto gefahren sind. Wohl jeder weiß noch, was er am 11. September 2001 gemacht hat. Und so ziemlich jeder Musikfan wird noch wissen, wann und wo er zum ersten Mal “Smells Like Teen Spirit” gehört hat. Vier simple und funkig geschrammelte Gitarrenakkorde für die Ewigkeit, erst leise, dann laut und schließlich die Slogan gewordene Forderung: “Here we are now / Entertain us”. Grunge mag schon längst tot sein, Alternative Rock mag heute etwas völlig anderes bedeuten als noch vor 20 Jahren – aber Nirvanas Megahymne und das dazugehörige Album “Nevermind” faszinieren noch heute immer wieder neue Generationen von Musikfans.

Klar waren Nirvana keine musikalischen Genies. Natürlich ist das alles simpel gestrickt. Doch genau daraus bezog die Band ihre Kraft und ihren Mythos. Als kraftvoller, räudiger und wütender Gegenentwurf zum damals vorherrschenden Plastik-Dancepop und Arena-Stadionrock verkörperte das Trio um den später zum Märtyrer gewordenen Kurt Cobain vor allem eines: Authentizität. Dass Cobain zudem ein Händchen für eingängige Melodien hatte, schadete dem Ganzen sicher nicht. “Come As You Are”, “Lithium” oder “Something In the Way” fräsen sich auch heute noch den Weg in die Gehörgänge, trotz oder wegen simpelster Arrangements. Beeindruckend ist zudem auch heute noch die wahnwitzige Punk-Power hinter Titeln wie “Breed” oder “Territorial Pissings” und die schiere Wucht, mit der der damals noch blutjunge Dave Grohl die Trommelfelle bearbeitet.

Nun mag die Indie-Fraktion verächtlich die Nase rümpfen, aber: Trotz seiner Bekanntheit und medialen Präsenz ist “Nevermind” auch heute noch ein Meilenstein. Ein Album, das so viele Menschen beeinflusst hat und musikalisch so viel bewegt hat, kann gar nicht genug gewürdigt werden. Viel wurde ja schon darüber geschrieben, wie viel Nirvanas Durchbruch in den Mainstream verändert hat – wir sprechen hier immerhin von einem Album, das Michael Jackson von der Spitze der US-Charts gestoßen hat – und es trifft alles zu. Ohne Nirvana wäre die Öffentlichkeit wohl nie empfänglich für “Alternative” Musik geworden. Das Punk-Revival der mittleren Neunziger und wohl auch die ganze Rap-Metal und Nu-Metal-Sache hätte es ohne Nirvanas Einfluss nicht gegeben (bei letzterem Genre wird sich so mancher wünschen, Nirvana hätten das mit dem Durchbruch lieber gelassen). Jedenfalls ist es nur verdient, dass ein derart wichtiges Album wie “Nevermind” zum 20. Jahrestag seiner Veröffentlichung noch einmal gefeiert wird. Und genau das passiert am 27. September dieses Jahres.

Denn dann erscheint fast auf den Tag genau 20 Jahre nach Erstveröffentlichung eine neu aufgelegte “Special Edition” des Albums mit dem tauchenden Baby auf dem Cover. Unter anderem wird es auch eine “Special Deluxe Edition” mit vier CDs und einer DVD geben. Darin enthalten: das komplett neu gemasterte Original-Album, dazu noch unveröffentlichte Demo-Aufnahmen und ein angeblich rauher Vorab-Mix des Albums, den Produzent Butch Vig damals gerne behalten hätte, der aber vor Veröffentlichung von Andy Wallace auf die bekannte Fassung verändert wurde. Muss man natürlich als “normaler” Hörer nicht haben, aber der Musiknerd in uns wird bei so viel Bonusmaterial natürlich schon unruhig …

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Amy Winehouse: Ein Drama mit vorhersehbarem Ende

Nun ist also das eingetreten, wovon man seit geraumer Zeit ohnehin schon ausgehen musste: Amy Winehouse ist tot. Am 23. Juli hat sie sich ins Jenseits verabschiedet und ist dort dem exklusiven “27er-Club” beigetreten. Neben Janis Joplin, Jimi Hendrix und Kurt Cobain, die allesamt ebenfalls mit 27 das Zeitliche segneten.

Ohne Zweifel ist der Tod von Amy Winehouse sehr tragisch. Sie war eine starke Sängerin mit einer markanten Stimme und einem eigenen Stil, der sich sowohl in ihrer extravaganten Frisur als auch in ihrer Musik niedergeschlagen hat. Sie hat den Sound der 1960er Jahre in die Gegenwart geholt und so ein Revival eingeleitet, ohne das andere Damen wie Gabriella Cilmi oder aktuel Caro Emerald niemals so große Hits gelandet hätten. Darüber hinaus war sie eine gute Musikerin und Songwriterin. Denn man kann es drehen und wenden, wie man will: So totgedudelt ihre Radiohits wie “Rehab”, “Tears Dry on Their Own” oder “Back to Black” auch sein mögen, es sind und bleiben gute Songs. Und genau das macht ihr Ableben so tragisch.

Winehouses Karriere hätte noch einiges an Überraschungen bieten können. Sie wäre sicherlich nicht ewig dem Soul und Swing der 60s treu geblieben, und es wäre interessant gewesen zu sehen, wie sie ihr Talent in anderen Musikstilen eingesetzt hätte. Das wird nun niemals passieren, denn das Leben abseits der Bühne hat der jungen Engländerin einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie schaffte es über Jahre hinweg nicht, ihre Alkoholsucht zu überwinden – und wir alle konnten dabei zusehen, wie sie sich systematisch zu Grunde richtete. Spätestens, als sie Anfang Juni völlig abgefüllt auf die Bühne in Belgrad stolperte und nicht mehr in der Lage war, ihre eigenen Songs zu singen, war das tragische Ende deutlich absehbar. Nun haben ihre Exzesse sie das Leben gekostet. Hoffen wir einfach mal, dass bei Amy Winehouse im Rückblick die Musik im Mittelpunkt stehen wird und nicht ihr chaotisches Privatleben. Denn das war, wie der Name sagt, alleine ihre Sache und letztlich auch ihr Problem. Ihre Musik jedoch war für alle da – und darüber hinaus auch noch verdammt gut.

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Skunk Anansie – Smashes and Trashes

Die 90er-Jahre sind in. Das hat mittlerweile sogar das Mainstream-Radio gerafft. Das beschert seinen bemitleidenswerten Mittelschicht-Hörern mittlerweile nicht mehr selige Jugenderinnerungen aus den 80ern, sondern preist die Dekade danach als heißesten Scheiß an. Sprich: Es gibt schlimmste Umpf-Da-Eurodisco-Entgleisungen auf die Ohren, die natürlich als total stilprägend für die ganze Epoche angesehen werden, und dazu banales Hörer-Geschwafel von irgendeinem Mittdreißiger im Beamtenstatus, der per Telefon meldet: “Hach, zu Haddaway habe ich damals meine Melanie zum ersten Mal am Ohr geknabbert.” Grausam, diese Neunziger – möchte man sagen. Doch zum Glück hat das, was im Springer-Verlag-gesteuerten Radio läuft, herzlich wenig mit der musikalischen Realität zu tun.

Denn die Neunziger haben der Musikgeschichte viel Gutes beschert. Die komplette Alternativ-/Grunge-/Punkrockbewegung der frühen bis mittleren Dekade könnte man hier nennen. Ein Positivbeispiel unter vielen guten Bands: Skunk Anansie. 1995 veröffentlichte das britische Quartett um die bisexuelle, glatzköpfige und dunkelhäutige Sängerin Skin sein Debütalbum “Paranoid and Sunburnt”. Ein Jahr später kam “Stoosh” heraus, aus dem mit “Hedonism (Just Because You Feel Good)” auch die erfolgreichste Single der Bandgeschichte ausgekoppelt wurde. Auch ich, damals etwa 13 oder 14 Jahre alt, kam durch diese Single zum ersten Mal mit Skunk Anansie in Kontakt. 1999 folgte noch ein drittes Album, “Post Orgasmic Chill”, ehe sich die Band nach kreativen Differenzen in eine Pause auf unbestimmte Zeit verabschiedete.

Skin versuchte danach sich wenig erfolgreich an einer Solokarriere. Drummer Mark spielte einige Jahre für die Kollegen von Feeder. Doch 2009 besannen sich beide auf ihre schöne Vergangenheit und trommelten die Ex-Kollegen Ace und Cass zusammen. Skunk Anansie wurde wiederbelebt. Ehe das Comeback-Album “Wonderlustre” erschien, brachte die Combo Ende 2009 eine Best-Of namens “Smashes and Trashes” auf den Markt, um sich wieder in Erinnerung zu bringen.

Das sollte mit diesen Songs gut klappen. Denn die sind überwiegend immer noch großartig. Mal laut, mal zurückhaltend, mal groovig, mal wüst präsentiert sich das Potpourri aus zwölf alten und drei neuen Liedern. Im Mittelpunkt steht dabei immer Skins kraftvolle Stimme. Die Frontfrau holt bei räudigen Krachern wie “I Can Dream”, “Selling Jesus” oder auch dem anmutigen “Weak” das Maximum aus ihren Stimmbändern heraus. Doch sie kann auch zärtlich flüstern, wie bei den schönen Balladen “Secretly” oder “Brazen (Weep)”.

Die Hitsingle “Hedonism” bleibt ein unkaputtbarer, wunderschöner Song, und mit “Because of You” kommt auch einer der neuen Songs dem Feeling dieses Klassikers nahe. Doch generell ist das Niveau der Lieder verdammt hoch. Skunk Anansie waren nie eine “einfache” Band, auch wenn die Songs meist eingängig sind und auf herkömmlichen Strukturen beruhen. Sie spielen stark mit Dynamik, Stimmung und Melodie, was den Liedern noch mehr Tiefgang verleiht, als sie dank der provokativen und emotionalen Texte ohnehin schon haben.

Nicht alles auf diesem Best-Of ist gleich gut. Ein paar der ruhigen Lieder wie “Charity” und “You’ll Follow Me Down” erreichen nicht den Punch der anderen Stücke und sind des Guten zuviel. Trotzdem ist diese Hitsammlung eine, die ihren Namen verdient. Skunk Anansie sind kein verstaubtes Relikt der 90er. Sie sind auch heute noch relevant, die Songs klingen immer noch verdammt frisch und knackig – und um so schöner ist es, dass sie wieder da sind. Willkommen zurück!

JazzPo-Wertung: 9 / 12 Punkten

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Beady Eye – Different Gear, Still Speeding

Keine Frage, das Ende von Oasis war unrühmlich. Ein solches Aus hatte eine der größten englischen Bands aller Zeiten nicht verdient, aber es war wohl nicht zu ändern. In knappen Worten verkündete Liam Gallagher am 8. Oktober 2009, dass es Oasis nach dem fünf Wochen zuvor erfolgten Ausstieg seines Bruders Noel in Zukunft nicht mehr geben werde. Zack. Das war’s. Aus, Ende, Amen.

Allerdings, und das war ein gewisser Trost, kündigte der jüngere Gallagher an, mit allen restlichen Oasis-Bandmitgliedern unter neuem Namen weiter zu machen. Fortan wolle man unter dem Namen Beady Eye beweisen, dass es auch ohne die Songs des berühmten Bruders gehe. Skepsis war da durchaus angebracht, schließlich hatten sowohl Liam als auch Gem Archer und Andy Bell im Oasis-Kontext schon vereinzelte Songs beigesteuert – den Noel-Gallagher-Kompositionen konnten diese allerdings nie Konkurrenz machen.

Doch man soll ja nie vorschnell urteilen. “Different Gear, Still Speeding”, das Debütalbum von Beady Eye, soll also nicht ungehört verrissen werden. Die Vorab-Eindrücke ließen schon vermuten, dass sich die neue Band musikalisch in etwas anderen Sphären bewegen will als dies Oasis taten. Und das bleibt auch auf Albumlänge so.

Beady Eye tauchen noch stärker in die 60er Jahre ein, als dies Oasis je taten. Von sanftem Beat-Pop im Stile der La’s und der Kinks über groovige Gitarrenrocksongs bis hin zu verhalltem Psychedelic Rock ist auf “Different Gear, Still Speeding” alles vertreten, was in den Swinging Sixties Rang und Namen hatte. Weitgehend verschwunden sind hingegen die breiten Gitarrenwände, die den klassischen Gallagher-Kompositionen wie “Some Might Say” und “Live Forever” so viel Wucht verliehen.

Das liegt vor allem daran, dass Archer und Bell technisch versiertere Gitarristen sind als Noel, der bei Oasis in Sechs-Saiten-Fragen immer das letzte Wort hatte. In der neuen Band dürfen sie sich offenbar endlich so austoben, wie sie es immer wollten, das heißt: Mehr Riffs, weniger Geschrammel. Natürlich alles in begrenztem Maße. Das eröffnende “Four Letter Word” jedenfalls ist ein strammer, psychedelisch angehauchter Riff-Rocker, den der Ex-Bandleader so nicht gutgeheißen hätte. Doch der Song überzeugt durch eine eingängige Melodie und rauhen Liam-Gesang dennoch.

Doch insgesamt betrachtet halten sich auf dem Album laute und leise, rockige und poppige Songs die Waage. Die schunkelnde Single “The Roller”, das balladeske “Kill for a Dream” und vor allem das fast schon zärtlich-poppige “For Anyone” gehören klar in die zweite Kategorie. Vor allem bei letztgenanntem Song weiß Liam durch extrem sanften Gesang zu überraschen.

Fetziger geht es hingegen im vorab über das Internet veröffentlichten “Bring the Light” zu, das einen schmissigen Rock’n'Roll-Groove und ein dazu passendes Gitarrensolo aufbietet. Der beste Song des Albums ist hingegen der Längste: “Wigwam” entpuppt sich als verhalltes Psychedelic-Juwel, bei dem es jede Menge zu entdecken gibt.

Und doch, obwohl es einige wirklich gute Songs auf die Ohren gibt, ist auf “Different Gear, Still Speeding” nicht alles Gold, was glänz. Bei einigen Liedern, z.B. dem drögen “Beatles and Stones” oder der doofen 60s-Huldigung “The Beat Goes On”, fehlt die ordnende Hand eines Noel Gallagher doch deutlich. Die Melodien erreichen nur selten das grandiose Mitsing-Niveau der besten Oasis-Singles. Hier sind unzweifelhaft gute Songwriter am Werk, das merkt man an vielen Stellen, doch das Genius des ausgestiegenen Großmeisters bleibt dennoch unerreichbar.

Will man “Different Gear, Still Speeding” kurz und knackig zusammenfassen, dann wohl so: Besser als befürchtet und auch erwartet, mit einigen positiven Überraschungen, doch keine Konkurrenz zu Oasis-Großtaten wie “Definitely Maybe”, “(What’s the Story) Morning Glory” oder den letzten beiden Alben. Mal sehen, wie es mit Beady Eye weitergeht. Der Sixties-Rock-Ansatz, den Liam Gallaghers neue Band verfolgt, ist interessant, müsste aber noch ausführlicher entwickelt werden.

JazzPo-Wertung: 7 / 12 Punkte

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Persönliche Erinnerungen an “Il fenomeno”

Ronaldo im Nationaltrikot Brasiliens

Ronaldo

Dass große Fußballer ihre Karriere beenden, ist ja nichts ungewöhnliches. Ein Sportlerleben ist endlich, und wenn der Körper nicht mehr mitmacht, ist auch die schillerndste Laufbahn an ihrem Ende angelangt. In den vergangenen Jahren beendeten unter anderm Größen wie Zinedine Zidane, Oliver Kahn oder Paolo Maldini ihre fußballerische Laufbahn – allesamt Spieler, die über Jahre hinweg den Sport geprägt haben und auch mich seit meiner Jugend begleitet haben. Aber das auch in den Medien intensiv beachtete Karriereende von Ronaldo Luis Nazario da Lima, kurz Ronaldo, hat eine besondere Qualität.

Der Schritt war abzusehen, er war wohl auch überfällig. Trotzdem war das Echo gewaltig, als dieser übergewichtige, traurig aussehende Brasilianer auf der von ihm einberufenen Pressekonferenz zerknirscht zugeben musste, dass der Wille zwar noch vorhanden ist, der Körper sich aber weigert. Sportwebseiten und Internetcommunities füllten sich schnell mit huntertausenden Kommentaren, die den Abgang eines der besten Stürmer aller Zeiten beweinten. Darunter waren mit Sicherheit auch viele Leute, die sich noch vor ein paar Monaten über die wandelnde Tonne auf zwei Beinen amüsiert hatten, in die sich der einst so kraftvolle und filigrane Ronaldo in den letzten Jahren verwandelt hatte. Scheinbar macht es Ronaldos endgültiger Abgang einfacher, seine gesamte Karriere zu sehen und nicht nur die unglücklichen bis traurigen letzten fünf Jahre.

Wie für so viele andere, die ihre fußballerische Sozialisation in den mittleren bis späten 90ern genossen, war Ronaldo auch für mich ein Idol. Er schoss die tollsten Tore, er war einige Jahre lang von niemandem zu bremsen außer seinem Körper und darüber hinaus wirkte er in seiner schüchternen bis leicht einfältigen Bubenart sympathisch. Er stieg genau in einer Phase zum besten Spieler der Welt auf, als Massenmedien und große Konzerne endgültig begriffen, welches Marktpotenzial im Fußball schlummert. Er war der erste Weltstar, der von der Werbung voll ausgeschlachtet wurde. Ich erinnere mich an glitzernde, aufwendig produzierte Werbespots von Nike, in denen Ronaldo Ende der 90er Jahr zu sehen war, und die den mythologischen Status festigten, den er mit 22 oder 23 Jahren schon genoss.

Ja, Ronaldo war tatsächlich “Il Fenomeno”. Bis er sich 1999 seine erste schwere Verletzung zuzog, war er etwa vier Jahre lang der beste Kicker der Welt. Seine Torquote war sensationell, sein explosiver Antritt ein Genuss und seine Dribblings oft phänomenal. Bei der WM 1998 war ich fast genauso stark für Brasilien wie für Deutschland, und zwar nur wegen Ronaldo. Als die völlig überalterte und behäbige deutsche Truppe schmählich im Viertelfinale ausschied, wollte ich, dass Brasilien mit Ronaldo Weltmeister wird. Damals erwartete jeder, dass er zum Superstar des Turniers werden würde. Das schaffte er erst mit vier Jahren Verspätung. Zwar schoss er 1998 vier Tore (darunter ein sensationelles im Halbfinale im Holland), doch zum Star wurde verdientermaßen Zinedine Zidane. Zu meinem Geburtstag 1998 ließ ich mir dennoch ein Brasilien-Trikot mit der Nummer 9 schenken – wenn auch mit meinem Namen darauf. Ronaldo war mein fußballerisches Vorbild, weil er eine Leichtigkeit und Klasse verkörpte, die einheimische Rumpelfußballer wie Jens Jeremies und Jörg Heinrich im Leben nie erreichen konnten. Bis heute hat bis auf Lionel Messi niemand mehr vermocht, Eleganz und Torgefahr so sehr zu vereinen wie Ronaldo in seinen besten Jahren.

Nach jener WM traf Ronaldo allerdings auf einen Gegner, den er nicht so einfach umdribbeln konnte: seinen Körper. Er verletzte sich Ende 1999 schwer, fiel fast ein Jahr lang aus, und verletzte sich dann bei seinem Comeback nach sieben Minuten erneut schwer. Das nahm mich schon noch alles mit, allerdings führte Ronaldos lange Abwesenheit auch bei mir dazu, dass der Heldenstatus etwas nachließ. Ich freute mich für ihn, als er 2002 ein fulminantes Comeback bei Inter Mailand schaffte, dass er bei der WM acht Tore in sieben Spielen schoss, ja ich verzieh ihm auch relativ einfach die beiden Buden im Finale gegen Deutschland. Aber die Bewunderung meiner frühen Jugendjahre war da schon dahin.

Er konnte auch nie wieder ganz an die Glanzzeit Ende der 90er anküpfen. Zwar spielte er nach seinem Wechsel zu Real Madrid noch zwei starke Saisons, wurde Torschützenkönig in Spanien und erzielte einen sensationellen Hattrick im Champions-League-Spiel bei Manchester United. Aber in der Zwischenzeit waren andere gekommen, die seinen Platz als Topstar der Welt einnehmen sollten. Sein Landsmann Ronaldinho etwa, der bei Paris St.-Germain und dem FC Barcelona Zauberkunststücke mit mannschaftsdienlicher Spielweise kombinierte und Erfolge am Fließband feierte. Oder der blutjunge Lionel Messi, der früh alle Eigenschaften eines Wunderkindes zeigte, die Ronaldo selbst Mitte der 90er gezeigt hatte. Auch in Deutschland war mittlerweile eine Generation von guten Kickern herangewachsen, die es einfacher machten, sich für die eigenen Spieler zu begeistern.

Doch nun, nach Ronaldos Rücktritt, wird mir wieder klar, was für ein außergewönlicher Spieler er war. Vielleicht verkläre ich das auch etwas, weil seine frühen Erfolge mit meiner eigenen Jugend verknüpft sind, die ich in sehr schöner Erinnerung habe. Aber ich weiß nicht, ob jemals wieder ein Spieler den Mythos erreichen wird, den Ronaldo zwischen 1996 und 1999 hatte. Und, bei aller Wertschätzung für die fußballerische Klasse und Torquote von Real Madrids Portugiesen ist es doch schade, dass die heutige Generation von Fußballfans Cristiano Ronaldo mehr vergöttert als den einst so großartigen Brasilianer.

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Blink-182 – Blink-182

Wenn eine Band eine derart tiefgreifende Wandlung durchmacht wie Blink-182 auf ihrem fünften Album, dann spaltet das verständlicherweise die Fangemeinde. Der eine Teil kann nicht verstehen, wie man einfach so die ausgetretenen Pfade verlassen und möglicherweise seine Markenzeichen aufgeben kann – und der andere Teile freut sich über den Mut zum Risiko, den neuen Sound und die Weiterentwicklung.

Nun war das selbstbetitelte Album aus dem Jahr 2003 trotz des radikalen Stilwechsels ein kommerzieller Erfolg. Trotzdem gibt es garantiert Blink-Fans der ersten Stunde, die dieser Scheibe rein gar nichts abgewinnen können. Denn wer das Pop-Punk-Trio vor allem für pubertäre Gitarrenhymnen wie „All the Small Things“, „Carousel“ oder „The Rock Show“ liebte, konnte mit dieser düsteren, vergleichsweise komplexen Musik nicht glücklich werden. Bei den Kritikern, die Blink-182 vorher bestenfalls mit einer wegwerfenden Geste bedacht hatten, war das Album hingegen ein voller Erfolg.

Das magische Wort im Zusammenhang mit „Blink-182“ ist „Reife“. Die Band ist in der Tat reifer geworden, und zwar sowohl textlich als auch musikalisch. Teenager-Humor und seichte Sexwitzchen sucht man vergeblich, stattdessen bieten Lieder wie „I Miss You“ oder „Always“ nachdenkliche, ehrliche Emotionen. Klar, Nobelpreisverdächtig ist das nicht, aber ein ernsthafter und zudem gelungener Versuch, eine neue Ebene zu erreichen.

Musikalisch trennen dieses Album und seine direkten Vorgänger Welten. Die Schlagzeugbeats von Travis Barker sind ungerader, widerborstiger, die Gitarrenarbeit weitaus komplexer und die Songstrukturen viel experimenteller als auf jedem anderen Blink-Song davor. In den einstmals simplen Pop-Punk sind deutliche Einflüsse von Post-Hardcorebands wie At the Drive-In eingeflossen, zudem wabert ein Hauch von 80s-Synthiepop im Stile von The Cure durch die Szenerie.

Seine Vorliebe für starke Melodien hat das Trio aber natürlich nicht von einem Tag auf den anderen abgestreift. Die Single „Feeling This“ bohrt sich mit einem gnadenlos melodischen Refrain in die Gehörgänge, dasselbe gilt für melancholische Songs wie „Down“ oder die oben angesprochene Ballade „I Miss You“. Wenn dann noch Robert Smith, der Sänger von The Cure, vorbeischaut, um mit Tom DeLonge zusammen die schräge, verzweifelte Nummer „All of This“ zu singen, haben die Jungs die Schlacht endgültig gewonnen.

Auch sieben Jahre nach seinem Erscheinen ist Blink-182 ein verblüffend gehaltvolles, ein großartiges Album. Selten zuvor ist einer Band eine so tiefgreifende Wandlung derart überzeugend gelungen. Wer Blink immer noch mit frechem, pubertären Punkrock in Verbindung bringt und die Musiker deshalb für seichte Spaßpopper hält, sollte dieses Album noch einmal ganz genau hören. Jetzt bleibt nur die Frage, ob die Band auf ihrem momentan in Arbeit befindlichen neuen Tonträger nach mehrjähriger Pause in dieser Schiene weitermacht. Alles andere wäre aber eine Riesenenttäuschung und kaum vorstellbar.

JazzPo-Wertung: 9 / 12 Punkte





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Letztlich doch nur ein Fußballspiel

Was wird das nun morgen Abend im Berliner Olympiastadion? Das Duell Okzident gegen Orient, der ultimative Kräftevergleich von West- und Osteuropa? Die Auseinandersetzung von Deutschtürken und Türkeideutschen? Oder doch einfach nur ein Fußballspiel in der EM-Qualifikation, bei dem drei wichtige Punkte auf dem Weg zum Gruppensieg vergeben werden?

Klar ist: Die Konstellation ist eine besondere. Auf deutscher Seite spielt mit Mesut Özil ein frischgebackener Star mit türkischen Wurzeln, der aber keinen Hehl daraus macht, nie einen Gedanken an die türkische Nationalelf verschwendet zu haben, für die er theoretisch auch spielberechtigt gewesen wäre. Auf türkischer Seite hingegen spielen die Altintop-Zwillinge und Nuri Sahin, die allesamt in Deutschland geboren und ausgebildet wurden, aber nie im Leben den Bundesadler auf der Brust hätten tragen wollen. Da geht es durchaus um zwei verschiedene Einstellungen zu Heimat und Integration. Und das zu einer Zeit, in der die unselige Sarrazin-Debatte immer noch nicht vollständig abgeebbt ist.

Aber warum soll man dies unnötig hochstilisieren? Sahin und die Altintops haben sich eben für die Türkei entschieden – warum auch nicht? Sie sprechen fließend türkisch, werden dort sicher noch Verwandte haben und werden der östlichen Kultur gegenüber nicht abgeneigt sein. Es ist ihr gutes Recht, für die türkische Nationalelf aufzulaufen, zumal sie dort sicher bessere Einsatzchancen haben als sie im DFB-Trikot gehabt hätten. Genauso ist es Özils gutes Recht, für Deutschland aufzulaufen, wenn er als Einwandererkind der dritten Generation stärkere Verbindungen zur Bundesrepublik als zum Land seiner Großeltern spürt. Letztlich alles halb so wild.

Es soll und wird morgen hoffentlich nur um Fußball gehen. Darum, einen wichtigen Sieg zu landen. Beide Teams sind gut in die Quali gestartet, und ein Sieg in diesem Topspiel verschafft einen ersten Abstand zu Rang drei. Den werden auch morgen vermutlich die Österreicher belegen, die sich gegen Bertis Aserbaidschaner wohl kaum einen Ausrutscher erlauben werden. Und wenn Özil für Deutschland und Halil Altintop für die Türkei treffen, dann sollte das wirklich nur aus sportlichen Gründen interessant sein.

Ich freue mich auf das Spiel, das sicher einiges an Tempo und Klasse bieten wird. Die Türkei hat aus dem Scheitern in der Quali zur WM 2010 die richtigen Lehren gezogen und mit Guus Hiddink einen der weltbesten Trainer verpflichtet. An der technischen Klasse der Spieler gab es ohnehin noch nie etwas auszusetzen, und Hiddink ist bekannt dafür, seinen Teams eine gute taktische Marschroute verpassen zu können. Jogi Löw wird darauf hoffentlich die richtige Antwort parat haben.

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Feeder – Yesterday Went Too Soon

Als eifriger Verfechter einer breit gefächerten musikalischen Weltsicht will die Jazzpolizei nicht nur aktuelle Neuerscheinungen unter die Lupe nehmen, sondern sich auch früheren Veröffentlichungen widmen, die die heutige Generation möglicherweise gar nicht mehr kennt. Beim ersten Mal soll es aber zunächst nicht all zu weit in die Vergangenheit gehen, genauer gesagt elf Jahre. Denn kurz vor der Jahrtausendwende im Jahre 1999 erschien das zweite Album der walisischen Band Feeder, “Yesterday Went too Soon”.

Zwei Jahre zuvor hatte das Trio mit “Polythene” ein beeindruckendes Debütalbum vorgelegt, das von der britischen Musikpresse äußerst wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. Mit einer zwar poppigen, melodischen, aber keineswegs seichten Variante des Alternative Rock fanden Grant Nicholas (Gesang, Gitarre), Taka Hirose (Bass) und Jon Lee (Schlagzeug) auf Anhieb viele Anhänger. Klar, es waren die späten Neunziger, und lauter Alternative mit schönen Melodien war ziemlich in. Feeder bauten sich in diesem Genre ihre eigene Nische, da nicht zuletzt die kehlige Stimme von Nicholas als Unterscheidungsmerkmal diente. Mit der balladesken Single “High” konnte sogar ein richtiger Charterfolg gefeiert werden. Auf dem zweiten Album  verfeinerten die drei Waliser ihre Mixtur aus schnellen, rockigen Nummern und nachdenklichen Tönen noch. Den gleichen musikalischen Weg gingen damals wie heute zwar schon unzählige Bands, doch Feeder hatten im Gegensatz zu den meisten von denen raus, wie man einen guten Song schreibt und arrangiert.

Mit “Insomnia”, “Waiting for Changes” oder “Hole in the Head” packten sie richtig schnelle Rocknummern drauf, bei denen die Gitarren laut bratzen und das Schlagzeug ordentlich scheppern durfte. Der Wille zur Melodie war aber auch hier stark genug, um den Verdacht von kalkulierter böser Härte gar nicht erst aufkommen zu lassen. “Day In, Day Out” und “Picture of Perfect Youth” waren tolle Singles, die weder zu hart für das Radio noch zu seicht für den Alternative-Fan waren. Und auch bei den ruhigen, bedächtigen Stücken wie “Tinseltown” oder “Radioman” wurde es niemals zu kitschig, stets wussten Feeder ihre Lieder im Rahmen zu halten. Diese Bedächtigkeit macht das Album auch heute noch zu einem angenehmen Hörerlebnis. Wer beim Begriff “Pop” nicht gleich einen mittelschweren Herzinfarkt bekommt, kann sich hier einem positiven Beispiel von poppigem Rock hingeben. Zwar kein Meilenstein, aber ein gutes Album, das einem wirklich ans Herz wachsen kann.

JazzPo-Wertung: 8 / 12 Punkte

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Bad Religion – The Dissent of Man

Was muss man zu Bad Religion noch an Informationen schreiben? Die nackten Zahlen sprechen doch für sich: 30 Jahre Bandgeschichte, das 15. Studioalbum. Jeder hat den Namen schon mal gehört, und entweder man schätzt sie oder man findet sie langweilig. Aufmerksame Hörer werden aber hoffentlich zu ersterem tendieren. Das Punkrock-Sextett hat sich seinen legendären Ruf durch unzählige Klassiker-Alben, engagierte Liveshows, intelligente politische Texte und eine unankratzbare Authentizität erworben. Alleine im neuen Jahrtausend brachten Bad Religion mit “The Process of Belief”, “The Empire Strikes First” und “New Maps of Hell” bereits drei hervorragende Alben heraus, die vor feurigen Statements zur Lage der Nation nur so strotzen.

Nach dreijähriger Pause soll “The Dissent of Man” diese Serie fortführen. Leider kommt der neue Release qualitativ nicht an die drei Vorgänger hin. Das ist diesmal hauptsächlich einem leichten Hang zum Experimentieren geschuldet, den Bad Religion zuletzt unterdrückt hatten. Wo sie sich in den letzten Jahren auf ihre Stärken konzentrierten – sprich: Knallharten, melodischen Punkrock mit hintergründigen Texten und schönen Backgroundchören – weichen sie dieses Mal in poppiges Midtempo-Terrain aus. Auch textlich kommt diesmal die persönliche Ebene weitaus mehr zur Geltung. Dies führt dann dazu, dass man die Lyrics zu “Turn Your Back On Me” und “Cyanide” fast schon als belanglos bezeichnen kann. Was Greg Graffin und Brett Gurewitz da geritten hat, bleibt fraglich.

Ja, man muss es so klipp und klar sagen: Ein paar Lieder auf “The Dissent of Man” sind richtig schlecht geworden. Sie wirken unausgegoren und seltsam nichtssagend. So etwas war man von Bad Religion seit mindestens zehn Jahren nicht mehr gewohnt. Neben den beiden oben genannten Liedern fällt vor allem “Pride and the Pallor” negativ auf. Auch “The Devil in Stitches”, die Vorabsingle, will überhaupt nicht zünden.

Aber zum Glück sind diese schwachen Kandidaten auf dem neuen Album eher die Ausnahme als die Regel. Denn natürlich können es Bad Religion immer noch. Das beweisen tolle Punkrock-Brecher wie der Opener “The Day the Earth Stalled” oder “The Resist Stance”. Letzteres ist ohne Zweifel ein Highlight der Bandgeschichte und eine großartige Hymne. “Meeting of the Minds” gibt gnadenlos Gas, und “Someone to Believe” schleicht sich ohne Rücksicht auf Verluste in die Gehörgänge. Und dass nicht automatisch alles schlecht ist, was das Tempo etwas drosselt, stellt das großartige “Ad hominem” unter Beweis, das einen mächtigen Refrain in petto hat.

Wir können also festhalten: Ein schlechtes Album ist “The Dissent of Man” nicht geworden. Es muss sich nur an den drei hochklassigen Vorgängern messen lassen, und da zieht es klar den Kürzeren. Bad Religion wollten es sich diesmal leisten, ihrem gehobenen Alter gemäß mal etwas anderes auszuprobieren, anstatt immer nur voll auf die Zwölf zu gehen. Dafür wären sie fast bestraft worden. Denn sie sind nun mal am Besten, wenn sie in höllischem Tempo gegen das schlechte dieser Welt ankämpfen. Und das werden sie auf dem nächsten Album hoffentlich wieder verstärkt machen.

JazzPo-Wertung: 7 / 12 Punkte

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